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17.04.2015 | Tag der Logistik - Das große Internet-Kaufhaus

Veröffentlicht in News/Presse

Limal in Neumünster ist einer der größten Ebay-Händler - Unternehmen übernimmt E-Commerce-Logistik

Neumünster. Logistik ist mehr, als nur Pakete zu verschicken. Gestern, am Tag der Logistik, stellten bundesweit Unternehmen dar, dass ohne funk­tionierende Logistik fast nichts mehr geht. Die Limal GmbH in Neu­münster beispielsweise übernimmt für Unter­nehmen wie Siemens, Bauknecht, Bosch, Vaude oder Villeroy&Boch wichtige Teile des In­ternet-Geschäfts.

Andreas Voswinckel, Gründer und Geschäftsführer, im Lager des Unternehmens. Rund 50000 Artikel vermarktet Limal derzeit. Es werden stetig mehr. So wirbt Voswinckel ab morgen in China um neue Kunden. © Karsten Leng

Logistik - bei Limal ist das ei­ne hochkomplexe Dienstleis­tung. Für rund 120 Mandan­ten, wie Firmengründer An­dreas Voswinckel seine Kun­den nennt, vertreibt das Unternehmen Waren unter­schiedlichster Art auf vielfäl­tigen Kanälen im Internet. Waschmaschinen, Kinder­schuhe, Kameras und Objek­tive, Gartenmöbel, diverse Elektronikgeräte, Nahrungs­ergänzungsmittel für Tiere, Einlagen für Sportschuhe, Autozubehör oder E-Zigaretten - wer durch das 25.000 Quadratmeter große Lager im Gewerbe- & Service Park Nord in Neumünster geht, der fühlt sich wie in einer Mi­schung aus Baumarkt, Elektrohändler, Kaufhaus und Discounter. Rund 50.000 ver­schiedene Artikel verkauft Limal an Kunden in ganz Eu­ropa, überwiegend Privat­kunden. Das Unternehmen ist einer der größten Ebay-Händ­ler. 80 Mitarbeiter sowie bis zu 20 Zeitarbeitskräfte sorgen in Neumünster dafür, dass die Ware ausgeliefert wird. In Hamburg, Berlin und Mün­chen sowie in Prag und in Manchester ist das Unterneh­men mit Niederlassungen ver­treten.

Limal betreibt für seine Kunden die gesamte Logistik, die nach einem Kauf auf Ebay, Amazon oder auf anderen In­ternetmarktplätzen anfällt: Lagerung, Auftragserfas­sung, Zahlungsmanagement, und Verpackung bis hin zur Bearbeitung der Rücksendungen (Retouren) und dem Kundenservice. Bauknecht beispielsweise verlässt sich auf allen Internet-Kanälen auf das Unternehmen aus Neumünster. Der Bauknecht-Online-Shop wurde von einer Limal-Tochter in Hamburg aufgebaut und wird nun von Neumünster aus betreut.

Andere Kunden geben Teile des E-Commerce an Limal ab. So lassen zahlreiche namhaf­te Unternehmen ihre B-Ware in Neumünster vermarkten. "Wir nehmen aber nur Ware, von der wir ziemlich sicher sind, dass wir sie auch ver­kaufen können", erklärt Vos­winckel. Und daher steht vor jedem Geschäft eine intensive "Verkaufssimulation": Wer­den Limal beispielsweise Au­to-Kindersitze angeboten, dann analysieren Mitarbeiter mit Hilfe der Daten von Ebay, ob es für das Produkt über­haupt einen Bedarf im Web gibt. Sie schauen nach, wer das Produkt verkauft und wie die Marke positioniert ist. An­schließend erhält der Kunde ein Angebot wie dieses: "Wir verkaufen 500 Autositze in 50 Tagen zu einem Stückpreis von 69 Euro." Meist, so berichtet Vos­winckel, liegen seine Mitarbeiter recht gut mit ihren Verkaufsanalysen. Als jüngst 1000 Fahrrad­helme reingenommen wurden, waren 800 schon nach einer Woche weg.

Der gelernte Schiff­fahrtskaufmann machte als einer der ersten in Deutschland 1999 seinen Master in E-Commerce-Logistik. Ein Jahr war er für eine Hamburger Spe­dition tätig, bevor er sich selbstständig machte. Siemens ließ die rund 10.000 Handys, die wö­chentlich als Vorführge­räte aus den Läden zu­rück kamen, über Voswinckels Firma als B-Ware verkaufen. Der Versandhänd­ler Oppermann wurde auf die Firma aufmerksam und wurde schnell zum mit Abstand größten Kunden. Es folgte der Umzug von Hamburg nach Neumünster.

Doch Oppermann ging in die Insolvenz, Voswin­ckel musste durch den Ausfall des größten Kun­den ebenfalls Zahlungs­unfähigkeit anmelden. Aber nur drei Wochen später hatte er Limal ge­gründet - und konnte bald durchstarten, weil alle anderen Kunden ihm die Treue hielten und zahlreiche neue gewon­nen werden konnten. Das war vor 15 Jahren. Und Voswinckel treibt seither die Expansion voran. Heute steigt er in den Flieger nach China, um dort Kunden für Limal zu gewinnen: "Wir wollen für chinesische Unter­nehmen den europäi­schen E-Commerce-Markt erschließen."

Quelle: http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Tag-der-Logistik-Das-grosse-Internet-Kaufhaus